Kreisfeuerwehrverband Frankfurt am Main 1869 e.V.

„Unser Ziel heißt Innovation!“

Trotz Corona die Einsatzbereitschaft aufrechterhalten

SINDLINGEN Feuerwehr-Aktive dürfen nicht ausfallen - ganzer Zug müsste in Quarantäne 

Markus Körner von der Sindlinger Feuerwehr überprüft die Kettensäge, die zur Einsatz-Ausstattung gehört.Foto: michael SittigEinmal pro Woche erfüllen sie ein umfangreiches Arbeitsprogramm. Sie bewegen die Fahrzeuge, werfen den Notstromgenerator an, überprüfen große und kleinere Geräte auf ihre Funktionstüchtigkeit, wechseln Akkus, ölen hier, reinigen da - was eben nötig ist. Während die Löschfahrzeuge im Hof vor dem Feuerwehrhaus stehen, kehrt Marco Springer die Halle aus. Markus Körner dreht die Hähne auf. "Wir lassen heißes Wasser ablaufen, damit sich keine Legionellen bilden", erklärt er. Der Notstromgenerator muss einmal pro Woche für eine halbe Stunde laufen, damit er im Notfall anspringt, erläutert Wehrführer Sven Sommerschuh. Er ist gerade vorbeigekommen, um weitere Masken bereit zu legen. Solange die Gerätewarte Abstand zueinander halten, brauchen sie keine - aber wenn sie sich beim Arbeiten nahekommen, ist das Tragen des Mundschutzes Pflicht.

Fahrt zum Einsatz nur mit Mundschutzmaske

Das gilt auch bei Einsätzen. Die Freiwillige Feuerwehr hat täglich von 17 bis 6 Uhr sowie an den Wochenenden Bereitschaftsdienst. Wenn ein Alarm eingeht, eilen die sechs Einsatzkräfte ins Gerätehaus, springen in die Stiefel, ziehen die schon darüber gestülpten Hosen hoch, greifen Jacke und Helm und Maske. "Das dauert keine 30 Sekunden", sagt Sven Sommerschuh, deshalb sei das Risiko, sich bei dieser Gelegenheit anzustecken, eher gering. Auf dem Weg zum Löschfahrzeug ziehen die Wehrleute die Mundschutzmasken über und behalten sie während der Fahrt sowie dem gesamten Einsatz auf. Ausgenommen sind nur diejenigen, die unter Atemschutz in brennende oder verrauchte Häuser vordringen. "Der Pressluftatmer ist der höherwertige Schutz", weiß der Wehrführer.

Allerdings ist diese Vorgehensweise für die Sindlinger bislang reine Theorie. Es gibt weniger Verkehr, weniger Unfälle, weniger Bedarf an technischer Hilfeleistung, und gebrannt hat es zum letzten Mal am 15. März. Seit dem Löschen eines Matratzenbrandes in der Hugo-Kallenbach-Straße kam kein Notruf mehr.

Verbandstage, Seminare und Ausbildungsdienst finden nicht mehr statt, und es gilt: Jugendfeuerwehr und Einsatzabteilung dürfen sich nicht treffen. Selbst Sitzungen kleiner Vorstandsrunden im großen Gemeinschaftsraum sind untersagt, weil das Feuerwehrhaus im Notfall für die Bevölkerung bereitstehen muss, erklärt Sven Sommerschuh. 

Theorie-Unterricht jetzt im Internet

Mittlerweile hat die Sindlinger Wehr - wie auch andere - Online-Teamsitzungen eingeführt. Die vierteljährliche Mannschaftssitzung mit sieben Teilnehmern wurde auf die Weise im Internet abgehalten. "Es ging ganz gut, auch wenn die Internetleistung teilweise nicht reicht", berichtet Sven Sommerschuh. Über solche Team-Sitzungen will die Wehr jetzt zumindest auch den theoretischen Unterricht wieder aufnehmen. "Eigentlich ist das der Schwerpunkt im Winter, während wir im Sommer eher praktisch üben", erklärt Sommerschuh, "aber es gibt viele Neuerungen, also macht das durchaus Sinn."

Für die Praxis im Feuerwehr-Alltag vertraut er darauf, dass seine Aktiven jetzt von der guten Ausbildung der vergangenen Jahre profitieren. "Es wird nicht alles sofort vergessen gehen", ist er sicher, dass die Sindlinger Wehr ihren Aufgaben nach wie vor gewachsen ist. "Kritisch würde es, wenn mehrere Einsatzkräfte ausfallen sollten. Dann wäre Sindlingen außer Dienst", sagt der Wehrführer. Das darf nicht passieren. Deshalb appelliert er an seine Mannschaft: "Trefft Euch bitte nicht, passt auf Euch auf - Wir brauchen Euch!"Heide Noll