Der 51-Jährige folgt auf Dirk Rübesamen, der nicht ganz freiwillig ausscheidet

Frankfurt – Chef von fast 900 freiwilligen Feuerwehrleuten, von 28 Wehren und einer Rettungshundestaffel: Die Aufgabe des Stadtbrandinspektors ist verantwortungsvoll. Es ist ein Ehrenamt, und es ist gewissermaßen das Ende der Leiter, die Ehrenamtler erreichen können – auf Augenhöhe mit der Branddirektion unter Markus Röck, der Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP), dem Oberbürgermeister Mike Josef (SPD).
Zehn Jahre hat Dirk Rübesamen dieses Amt ausgeführt. Bei der jüngsten Hauptversammlung des Kreisfeuerwehrverbands hat er sich zurückgezogen – mit ein paar Tränchen in den Augen, bei ihm und bei seinen Kameraden, aber auch einem Lachen und Dankbarkeit. Der Rückzug war vorbereitet. Seine beiden bisherigen Stellvertreter Patrick Söder und Daniel De Marco kandidierten. Allerdings nicht gegeneinander, sondern „miteinander“, wie sie vorher sagten. „Wer unterliegt, bleibt Stellvertreter“, so Söder.
Er bliebt es. Nach Auszählung der Stimmen stand fest: De Marco ist der neue Stadtbrandinspektor. Er erhielt 127 von 207 abgegebenen Stimmen. Söder erhielt 75 Stimmen, drei Stimmen waren ungültig und zwei waren Enthaltungen.
Daniel De Marco (51), der neue Stadtbrandinspektor, hat einen gewissen Vorteil: Er ist Junggeselle. „Ich bin Kaufmann bei einer Genossenschaftsbank in Eschborn“, sagte er. Das Ehrenamt Feuerwehr im Stadttteil Fechenheim begleitet ihn seit Jahren. „Es liegt mir im Blut, Verantwortung zu übernehmen“, sagte er nach der Wahl. 2020 wurde er stellvertretender Stadtbrandinspektor, zuvor war er Stadtjugendfeuerwehrwart. Das neue Amt könnte er zehn Jahre lang bekleiden. Denn: Mit 60 ist Schluss bei der aktiven Feuerwehr.
So ging denn auch Rübesamen nicht ganz freiwillig. „Ich werde in diesem Jahr 62“, sagte er. Zuvor hatte Oberbürgermeister Mike Josef eine Eloge auf den Stadtbrandinspektor gehalten, es war nicht die einzige bei dieser Vollversammlung in Harheim. Er erinnerte daran, dass Rübesamen seit 1975 bei der Feuerwehr ist. Nach Frankfurt sei er nach einem Urlaub auf Mallorca gekommen.
Rübesamen korrigierte nachher im persönlichen Gespräch ein wenig: Mit zehn Jahren in die Freiwillige Feuerwehr seiner Heimatstadt Goslar eingetreten, lernte er zehn Jahre später als junger Mann beim Urlaub in Mallorca seine spätere Frau kennen. Diese war Frankfurterin und überzeugte den Niedersachsen 1984 von der Stadt am Main. Dort studierte er auch.
Rübesamen ist als Kaufmann Projektleiter bei der Wirtschaftsförderung. Seine Chefin, Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) blickte zurück: „Er hat die Pizzeria in Niederursel gerettet, weil er mit seiner Sachkompetenz in Sachen Brandschutz aktiv werden konnte.“ Also ein städtischer Mitarbeiter, der sich jedoch in den vergangenen zehn Jahren als Inspektor nie gescheut hat, mit den Stadtoberen auch mal derbe Diskussionen zu führen, wenn es nötig war. Seit 2016 war er Stadtbrandinspektor.
Aktiv in die Wehr in Nieder-Erlenbach eingetreten sei er erst 2004, berichtete er. Rasch wurde er Wehrführer, rasch auch im Stadtverband der Feuerwehr aktiv.
Für Daniel De Marco rückte der bisherige Stadtjugendfeuerwehrwart Christoph Gauderer als stellvertretender Stadtbrandinspektor nach. Neuer Stadtjugendfeuerwehrwart wurde Karl Brendel.THOMAS J. SCHMIDT
Zahlen / Daten / Fakten um den Kreisfeuerwehrverband Frankfurt am Main:
922 Einsätze in einem Jahr
Die 28 Freiwilligen Feuerwehren haben 894 Mitglieder in der Einsatzabteilung. In den vergangenen zehn Jahren lag der Höchstwert im Jahr 2022 bei 940 Mitgliedern. Insgesamt haben die Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet 922 Einsätze gehabt. Den größten Anteil daran hatte Fechenheim mit 159. Die 922 Einsätze im Vorjahr teilten sich auf in 227 technische Hilfeleistungen (etwa bei Hochwasser), 620 Brandbekämpfungen und 55 Fehlalarme. Insgesamt war die Freiwillige Feuerwehr 15 870 Stunden im Einsatz.
Neben der Einsatzabteilung mit 894 Mitgliedern gibt es die Altersabteilung mit 369 Feuerwehrleuten, die Jugendfeuerwehr mit 598 und die Minifeuerwehr (ab sechs Jahren) mit 339 Mitgliedern. Je jünger die Teams, desto höher der Frauen- bzw. Mädchenanteil. Bei den Minis machen sie mit 114 gut ein Drittel der Kinderfeuerwehr aus.TJS
