Kreisfeuerwehrverband
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Diese Feuerwehr-Retter müssen auf die Dächer Frankfurts!

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Diese Retter müssen hoch hinaus
Die Einsatzleiter bei der Höhenrettung der Berufsfeuerwehr Frankfurt, Till Fleckenstein (links) und Karsten Zaremba, bringen auf dem Dach des "Winx"-Towers in Frankfurt ihre Sicherungsseile für eine bevorstehende Übung an. FOTO: DPA

Frankfurt. - Bei strahlendem Sonnenschein beginnt der Arbeitstag für Till Fleckenstein und seine Kollegen auf rund 110 Metern Höhe. Auf dem Dach eines Wolkenkratzers im Frankfurter Bankenviertel besprechen die Höhenretter ihr Vorhaben. Gewappnet mit Seilen und Technik wollen sie dort für den Ernstfall üben. Das Szenario: Eine Fensterputzerin hängt in einer Gondel in schwindelerregender Höhe an der Außenfassade des Winx-Büroturms im Stadtzentrum fest und muss abgeseilt werden.

Die Frau, die die zu rettende Fensterputzerin spielt, sitzt üblicherweise in gemütlicher Sicherheit am Empfang im Erdgeschoss des Gebäudes. Sie bleibt entspannt: "Höhenangst habe ich nicht", sagt sie und freut sich über die Abwechslung am Morgen. So einen Ausblick über die Stadt bekomme man schließlich nicht alle Tage geboten.

Für Fleckenstein und seine Kollegen hingegen ist die Vogelperspektive Alltag. Denn die Höhenretter der Berufsfeuerwehr Frankfurt kommen überall dort zum Einsatz, wo die normale Ausrüstung der Feuerwehr an ihre Grenzen stößt. Ob zur Rettung von verunglückten Ballonfahrern oder erkrankten Kranführern oder nach Unfällen bei Bauarbeiten an Wolkenkratzern - die Männer um Einsatzleiter Karsten Zaremba sind überall dort zur Stelle, wo es extrem hoch hinaus geht.

Frauen gebe es bei der Frankfurter Feuerwehr generell schon, im Team der Höhenretter bisher allerdings nicht, sagt der Einsatzleiter. Prinzipiell spreche aber nichts dagegen. Solange man keine Höhenangst habe, wetterfest und körperlich fit sei, sei jedes Teammitglied willkommen. "Das Wichtigste ist Vertrauen. Es kommt auf das Zwischenmenschliche und auf die Teamfähigkeit an", ergänzt Fleckenstein.

Laut Frankfurter Feuerwehr wird die Sondereinheit pro Jahr zu etwa 180 Einsätzen gerufen. Davon blieben einige besonders in Erinnerung, sagt Fleckenstein, der seit 21 Jahren als Feuerwehrmann arbeitet. Bei einem Einsatz am Frankfurter Marienturm sei es etwa auf besondere Schnelligkeit angekommen, erinnert er sich. Dort saßen mehrere Personen bei praller Sonne und ohne Trinkwasser rund drei Stunden in einer Fensterputzgondel fest. "Zuerst haben sie versucht, sich selbst aus der Situation zu befreien." Erst als sich ein Gewitter genähert habe und die Situation brenzlich geworden sei, sollen sie den Rettungsdienst alarmiert haben, erklärt der Feuerwehrmann.

Manchmal rücke das Einsatzteam auch aus, um Tiere zu retten. Das sei etwa der Fall, wenn wieder mal ein Turmfalke von einem der Wolkenkratzer in der Mainmetropole befreit werden müsse. Ein Klassiker sei auch die Katze, die auf einem hohen Baum festsitzt und auf Rettung wartet, sagt Andreas Kölsch von der Bergwacht Darmstadt, die zum hessischen Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gehört. Denn beim DRK gibt es auch ehrenamtliche Höhenretter.

Diese werde etwa dann hinzu geholt, wenn die Berufsfeuerwehr personell zu knapp besetzt sei, erklärt Kölsch. Große Unterschiede zwischen der Höhen- und der Bergrettung gibt es laut dem Bereitschaftsleiter nicht. "Die ganzen Techniken, die die Feuerwehr anwendet, kommen aus dem Bereich der Bergrettung." Daher trainiere man regelmäßig auch gemeinsam für den Ernstfall, erläutert er.

Da es sich bei den Höhenrettern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) allerdings um Freiwillige handelt, sei Nachwuchs im Gegensatz zur Berufsfeuerwehr nur sehr schwer zu finden, erklärt die Sprecherin Gisela Prellwitz. Allerdings seien beim Deutschen Roten Kreuz auch Höhenretterinnen im Einsatz: "Insgesamt sind in der Bergwacht etwa 30 Prozent Frauen."

Die Ausbildung zum Höhenretter

Professionelle Höhenretter und Höhenretterinnen müssen zunächst eine Grundausbildung bei der Feuerwehr absolvieren. Diese dauert in Hessen für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst zwei Jahre. Danach können sich die Feuerwehrleute etwa in Frankfurt in einer zweiwöchigen Zusatzausbildung im Bereich der "Speziellen Rettung aus Höhen und Tiefen" weiterbilden.

Um den Titel des Höhenretters aufrechtzuerhalten, müssen die Frankfurter Einsatzkräfte jedes Jahr wieder 72 neue Übungsstunden vorweisen, wie es auch die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland empfiehlt. Das Bedienen der Ausrüstung, das richtige Legen und Stechen der verschiedenen Knoten müsse regelmäßig trainiert werden, "denn davon hängt das eigene Leben oder das Leben eines Kollegen ab", heißt es auf der Internetseite der Frankfurter Feuerwehr. dpa


Quellenangabe: Höchster Kreisblatt vom 04.10.2021, Seite 14